NaWi consulting zeigt, wie nachhaltiges Wirtschaften durch Dialog, wissenschaftliche Fundierung und praxisnahe Lösungen gelingt. Vom Start im Science Park bis zu heutigen ESG-Projekten: Wirkung entsteht, wenn Theorie und Unternehmenspraxis verbunden werden.
Gastbeitrag von NaWi consulting
Als wir, Kristin und Alex, 2016 in den Science Park gezogen sind, war das Gebäude noch kaum belebt. Kristin hatte sogar schon vor der Eröffnung bei einer Rohbaubegehung mit dem damaligen hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir teilgenommen – vermutlich der Moment, in dem sie sich in diesen Ort verliebt hat. Tatsächlich gehörten wir zu den ersten Mietern im Haus. Ganz offiziell war das anfangs nicht: Der kleine Raum direkt am Aufzug, den wir nutzen durften, gehörte damals noch zur UNIKIMS Management School. Jochen Dittmar von der UNIKIMS hat uns die Nutzung ermöglicht – unkompliziert, pragmatisch und unglaublich hilfreich. Eigentlich suchten wir nur einen Ort, um ein paar Tagungsmaterialien zwischenzulagern. Was wir bekamen, war ein Raum, der offiziell nicht einmal als Büro gedacht war. Aber wir machten ihn zu unserem Büro. Ein Sofa, ein Schreibtisch, ein Regal von IKEA. Fertig war das Hauptquartier von NaWi consulting.
Übrigens: Der Name. Wir haben lange über coole Ideen nachgedacht, internationale Anklänge gewälzt, Akronyme ausprobiert, und am Ende die banalste aller Lösungen gewählt. NaWi steht schlicht für „Nachhaltiges Wirtschaften“. Es klang einfach gut. Kein tieferer Sinn. Und manchmal ist das genau richtig so.
Die Idee zu NaWi consulting geht ganz klar auf Kristin zurück. Sie hatte Nachhaltigkeit studiert, sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und war es, die mich überhaupt erst dafür begeistert hat. Ich selbst kam eher klassisch über BWL und Management. Nachhaltigkeit war für mich zu der Zeit eher ein esoterisches Randthema. Kristin hat das verändert. Sie lebt Nachhaltigkeit, nicht als Schlagwort, sondern als Haltung, kennt sich aus, ist davon überzeugt. Ich glaube, sie hat mich damals regelrecht überrannt mit ihrer Begeisterung – und sich vermutlich gefragt, was ich eigentlich für ein Depp bin, dass ich das nicht längst verstanden hatte. Ohne sie hätte es NaWi consulting in dieser Form nicht gegeben.
Wir waren beide während unserer Unizeit Mitglieder in einem studentischen Verein für Nachhaltigkeit und Wirtschaftsethik. Wir diskutierten viel, dachten groß, aber schon damals kam uns der Unternehmensfokus zu kurz. Uns wurde klar, dass wir im Rahmen des Vereins das, was wir uns vorstellten, nicht umsetzen konnten. Also brauchten wir etwas Eigenes.
Zu der Zeit wussten wir nicht viel darüber, wie man ein Unternehmen aufbaut. Wir hatten keine Anleitung, niemanden, der uns an die Hand nahm. Also haben wir einfach angefangen. NaWi consulting war nie als klassische Beratung gedacht, sondern eher als Idee: Wie bringt man Nachhaltigkeit dorthin, wo sie wirklich etwas verändern kann? In Unternehmen, in die Praxis, in reale Entscheidungen.
Schon in den ersten Gesprächen mit Unternehmen merkten wir, dass zwischen akademischer Forschung und betrieblicher Realität ein riesiger Graben klaffte. Was an Hochschulen längst Konsens war, kam in der Praxis oft nur bruchstückhaft an. Viele wertvolle Erkenntnisse der Forschung versandeten dort, während so viele nützliche Impulse aus der Praxis nie die Mauern der Universität überquerten. Daraus entstand unser Anspruch: wissenschaftlich fundiert beraten, ohne den Blick für die Machbarkeit zu verlieren. Eine Brücke zwischen Theorie und Praxis bauen.
Eines unserer ersten Projekte in dieser Anfangszeit war eine vom BMBF geförderte Informationsbroschüre über den strategischen Nutzen von Nachhaltigkeitsberichterstattung. Damals war das noch ein absolutes Nischenthema. Für viele Unternehmen war der Nachhaltigkeitsbericht zu der Zeit nicht viel mehr als eine Marketingbroschüre – oft vom Praktikanten betreut, selten strategisch gedacht. Wir dagegen waren gedanklich schon viele Schritte weiter. Die Idee war stark, die Relevanz hoch. Aber wir hatten weder Erfahrung darin, wie man so etwas professionell aufzieht, noch darin, wie man es verständlich vermittelt. Also schrieben wir das Dokument in Word, kämpften mit Formatierungen, Kopfzeilen und Seitenumbrüchen. Kurz vor Abgabe fuhren wir zur Druckerei, ohne zu wissen, ob alles rechtzeitig fertig würde. Als wir das Heft schließlich in den Händen hielten, fühlte es sich zum ersten Mal greifbar an. Kein Konzept mehr, keine bloße Idee, sondern ein sichtbares Ergebnis. Und das war sinnbildlich für vieles, was wir damals taten: anfangen, unterwegs lernen, durchziehen.
Rückblickend haben wir uns in vielen Dingen zu viele Gedanken gemacht. Unsere ersten Angebote waren viel zu ausführlich, unsere Prozesse zu kompliziert, unsere Planung zu vorsichtig. Statt loszugehen und auszuprobieren, haben wir lange gegrübelt. Vielleicht wollten wir zu perfekt sein. Vielleicht hatten wir zu viel Respekt vor dem, was da auf uns zukam. Und sicher hätten wir früher lernen müssen, Aufgaben abzugeben. Mit dem Zugang zur Uni hätten wir leicht ein kleines Projektteam aufbauen und schnell skalieren können. Haben wir aber nicht. Wir wollten alles selbst machen. Auch das: ein Fehler, aus dem wir viel gelernt haben.
Der Science Park war in dieser Zeit unser Zuhause und hat uns vermutlich in unserer Arbeit stark geprägt. Für uns war es nie das klassische Business-Büro, in dem man im Anzug Hochglanzpräsentationen erstellt und sich wichtig fühlt, sondern eher eine Art „kreatives Baumhaus“. Ein Rückzugsort, an dem man einfach ausprobieren konnte. Gleichzeitig war es ein Ort der Begegnung: mit anderen Gründerinnen und Gründern, mit ganz unterschiedlichen Ideen, mit Perspektiven, denen wir sonst vielleicht nie begegnet wären. Die Impulse aus dieser Zeit wirken bis heute nach.
Auch die Gründungsberatung und Unterstützung bei Förderfragen haben wir gerne angenommen – allen voran durch Gabriele Hennemuth vom Inkubator-Team, die uns über die Jahre hinweg mit Rat, offenen Türen und einem feinen Gespür für die richtige Frage zur richtigen Zeit begleitet hat. Oft waren es genau diese Gespräche, die uns ermutigt und in entscheidenden Momenten weitergeholfen haben. Handyempfang war Glückssache, die automatische Beschattung ein Abenteuer. Und wir trauern noch heute dem unbequemen Schlafsofa nach, das für den einen oder anderen Powernap herhalten musste. Aber das spielte keine Rolle. Es war ein Ort, an dem wir in Ruhe denken, Dinge entwickeln und gemeinsam wachsen konnten. Fast wie eine Verlängerung des Studiums, nur mit mehr Verantwortung und mehr Freiheit.
Dann kam Corona. Und so, wie wir den Science Park einst fast leer betreten hatten, erlebten wir ihn auch wieder leer, als wir ihn verließen. Eine stille Klammer um eine prägende Zeit. Aufträge brachen weg, das Büro stand still. Kristin entschied sich, auszusteigen. Ich, Alex, saß in einem leergeräumten Raum und schrieb noch ein letztes Angebot, mehr aus Prinzip als aus Hoffnung. Der Mietvertrag war gekündigt, die Möbel bereits weg. Und dann kam die Zusage. Es ging weiter.
Seitdem arbeite ich an Projekten, die sich bewusst abseits der klassischen Beratungslogik bewegen. Nachhaltigkeit ist ein Schnittstellenthema. Es berührt Strategie, Kommunikation, Regulierung, Technologie und Kultur zugleich – und lässt sich kaum in standardisierte Modelle pressen. Statt vordefinierte Lösungen zu präsentieren, arbeiten wir mit den Kunden daran, ihre Realität zu verstehen. Eines dieser Projekte ist der ESG Transformation Award, ein Nachhaltigkeitspreis für den Finanzsektor, den wir gemeinsam mit einer Partnerberatung umsetzen. Dabei geht es nicht darum, Best Practices auszuzeichnen, sondern herauszufinden, was tatsächlich funktioniert – und warum. Welche Konzepte wirken? Welche Maßnahmen tragen wirklich, intern wie extern? Aus diesen Erkenntnissen entstehen praxisnahe Empfehlungen, keine fertigen Antworten, sondern Impulse, die weiterführen.
Gerade deshalb ist für uns der kontinuierliche Austausch so wichtig. Wir wollten nie die Art von Beratung sein, die etwas abgibt und dann verschwindet. Nachhaltigkeit braucht Dialog – und die Bereitschaft, gemeinsam weiterzudenken. Deshalb fragen wir nach: Funktioniert das, was wir empfohlen haben? Wo hakt es? Wo verändert sich gerade etwas? Dass wir dafür regelmäßig positives Feedback bekommen, bestätigt uns: Maßgeschneiderte Lösungen entstehen nicht am Reißbrett, sondern im Gespräch – und im Vertrauen.
Wenn wir heute zurückblicken und uns fragen, was wir anders machen würden, dann ist die Antwort: einiges. Vor allem würden wir gezielter auf Unternehmen zugehen, klarer formulieren, wo wir konkret unterstützen können. Denn viele Organisationen scheitern nicht am Budget, sondern daran, dass sie nicht wissen, wo sie überhaupt anfangen sollen. Was ist machbar, was sinnvoll, was wirksam? Unser Ansatz heute setzt genau dort an: mit Struktur, mit praktischer Erfahrung und mit einem Gespür für realistische Lösungen.
Wer heute im Nachhaltigkeitsbereich gründet oder Projekte vorantreibt, braucht ein starkes Team. Denn Nachhaltigkeit ist 2025 kein Ein-Personen-Thema mehr. Es erfordert unterschiedliche Perspektiven, Fachkenntnisse in Regulatorik, Kommunikation, Energie, Ressourcen, Lieferketten und vielem mehr. Gleichzeitig ist der Markt in ständiger Bewegung, stark von politischen Entscheidungen geprägt. Zwischen Zielvorgaben und Umsetzungsrealität liegen oft nur wenige Monate. Wer hier langfristig bestehen will, braucht nicht nur Anpassungsfähigkeit, sondern auch Substanz.
Vielleicht ist das die eigentliche Lektion aus all den Jahren: Wenn man mit einem echten Anliegen losgeht, statt mit dem perfekten Plan, findet sich der Weg oft beim Gehen. Und so wurde der Science Park für uns das, was für andere eine Garage war. Kein Ort für Showcases oder große Reden, sondern ein Raum zum Machen. Zum Tüfteln. Zum Beginnen. Und vielleicht sitzt man dann irgendwann in einem Raum, der mal eine Abstellkammer war, schaut sich um und denkt: Genau so sollte es sein.
Dieser Artikel wurde für das Science Park Magazin geschrieben. Alle Ausgaben findet ihr hier.
Zusammenfassung in einfacher Sprache:
NaWi consulting wurde von Kristin und Alex gegründet.
Sie wollten Unternehmen helfen, nachhaltig zu arbeiten.
Am Anfang wussten sie nicht viel über das Gründen.
Doch sie lernten schnell und arbeiteten im Science Park.
Dort konnten sie Neues ausprobieren und viele hilfreiche Menschen treffen.
Sie merkten: Unternehmen brauchen klare, einfache Hilfe, um Nachhaltigkeit gut umzusetzen.
Deshalb sprechen sie viel mit ihren Kundinnen und Kunden und entwickeln Lösungen gemeinsam.
Heute arbeitet Alex weiter an Projekten, die zeigen sollen, was in der Praxis wirklich funktioniert.
Die wichtigste Idee von NaWi consulting ist: Nachhaltigkeit gelingt nur im Austausch und im gemeinsamen Denken.