Nachbericht zum Netzwerktreffen im Rahmen von GROW! – dem Supportsystems für innovative Startups
Was braucht es, damit innovative Gründungen nicht nur entstehen, sondern auch erfolgreich wachsen? Und welchen Beitrag kann das regionale Startup- und Innovationsökosystem dazu leisten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Meet up & GROW!-Netzwerktreffen im Idea Lab des Science Park Kassel. Startups und Multiplikator*innen des Gründungsökosystems kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, konkrete Herausforderungen zu benennen und gemeinsam Ideen für die Zukunft der Region zu entwickeln.
Den Auftakt bildete ein interaktives Speeddating. In drei kurzen Gesprächsrunden ging es um persönliche Erwartungen an den Abend, die individuelle Bedeutung von „Wachstum“ und schließlich um die Frage, was Nordhessen bereits besonders gut kann und wo noch ungenutztes Potenzial steckt. Schnell wurde dabei deutlich: Wachstum bedeutet für Startups weit mehr als steigende Umsätze oder größere Teams. Es geht auch um persönliche Entwicklung, passende Strukturen, Zugang zu Netzwerken, Kapital und Märkte.
Wachstum beginnt mit dem Weg in den Markt
Kai Lorenz Wittrock, Co-Geschäftsführer des Science Park Kassel, arbeitet in seiner Begrüßung heraus, worauf es für Startups nach der Gründung besonders ankommt:
„Die entscheidende Frage für Startups nach der Gründung ist: Wie erreiche ich den Markt mit meinem Produkt oder meiner Dienstleistung? Und wie halte ich mein Produkt am Markt erfolgreich. Unsere Region hat bereits einen enormen Fundus an Unternehmensgründungen hervorgebracht. Mit GROW! möchten wir mit den verschiedenen Stakeholdern im Innovations- und Startup-Ökosystem Hessen darüber in den Austausch kommen, wie wir auf diese Erfolge auch in Zukunft aufbauen können. Ich freue mich sehr, dass wir als Science Park Kassel dieses eigene entwickelte Projekt präsentieren können und wollen uns auch mit diesem Fokus weiter in die Zukunft entwickeln.“.
Stefan Rötzel, Coach im Science Park Kassel, gab anschließend einen Einblick in das Projekt GROW! und die vergangenen Formate: „Wir als Science Park stehen zwischen der Universität und der Wirtschaft und begleiten innovative Teams auf dem Weg zur Unternehmensgründung im Spannungsfeld zwischen Forschung und Anwendung. Der entscheidende Punkt für viele innovative Startups ist es, die verschiedenen Wachstumsphasen ihrer Unternehmung erfolgreich zu meistern. In GROW! setzen wir auf Workshops und Austauschformate, in denen wir gezielt Themenschwerpunkte setzen, die die entscheidenden Herausforderungen und Schlüsselkompetenzen gezielt in den Fokus nehmen.“
Die eigene Perspektive erweitern
Einen Impuls zum Thema „Wachstum und Skalierung“ gab Florian Christ, CEO der fino group. Dabei nahm er die Menschen in den Blick, die ein Unternehmen führen und weiterentwickeln: „Startups erreichen oft nur das, was sie sich vorstellen können. Ein Startup wird meist nicht besser, größer oder schneller als das, was die Menschen innerhalb des Startups sich vorstellen können. Häufig liegt es daran, dass die Führung selbst nicht mehr weiß, wie es eigentlich weitergeht. Gründende können ihrem Team irgendwann nicht mehr helfen, weil sie alles, was sie wissen, bereits weitergegeben oder gesagt haben. Daher möchte ich gerne dazu anregen, sich immer selbst weiterzuentwickeln und immer Ideen zu haben, wie ein Unternehmen, ein Team, ein Produkt wachsen kann und wie es weitergeht. Denn dann finden Gründende die Menschen, die Lust genau darauf haben und sich auch vorstellen können, dass das geht. “
Damit war zugleich eine wichtige Perspektive für die anschließende Gruppenarbeit gesetzt: Wachstum ist nicht nur eine Frage von Ressourcen, sondern auch von Haltung, Führung und der Fähigkeit, sich als Gründer*in selbst weiterzuentwickeln.
Vier Fragen, viele konkrete Ansätze
Im Anschluss wurde es praktisch. An vier Stehtischen diskutierten die Teilnehmer*innen unterschiedliche Aspekte des Startup-Wachstums.
Bei der Frage, wie die Erfolgsquote innovativer Gründungen erhöht werden kann, standen vor allem Marktnähe und eine konsequente Ausrichtung auf die Kund*innen im Mittelpunkt. Als wichtige Punkte wurden Ehrlichkeit auf allen Seiten, eine kritische Ideenfindungsphase und konkrete Handlungsempfehlungen zur Kundengewinnung genannt. Auch die konsequente Kundenbindung wurde als entscheidender Erfolgsfaktor diskutiert.
Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Nordhessen für Startups noch attraktiver werden kann. Hier wurde insbesondere der Zugang zu Infrastruktur und Kapital diskutiert. Ein kostenlos zugänglicher Makerspace könnte Gründer*innen beispielsweise ermöglichen, an Prototypen und Produkten zu arbeiten – etwa mit Elektronik oder 3D-Druck. Gleichzeitig wurde deutlich, dass beim Thema Finanzierung weiterhin Lücken bestehen. Genannt wurden unter anderem fehlendes Investor-Matchmaking, mehr Transparenz über investitionswillige Großunternehmen und weitere Investor*innen sowie Beratung zu üblichen Konditionen und Verträgen.
Auch die Bündelung der Angebote im Ökosystem war ein zentrales Thema. Die Diskussion zeigte: Es gibt bereits viele Angebote und Kompetenzen – entscheidend ist, diese für Startups noch besser sichtbar und nutzbar zu machen. Eine stimmige, lückenlose Angebotsstruktur, mehr Transparenz über Angebote und Bedarfe sowie ein abgestimmtes Portfolio wurden als wichtige nächste Schritte genannt. Gleichzeitig braucht es aus Sicht der Teilnehmer*innen ein kooperatives Klima, das von Partnerschaft und Vertrauen geprägt ist. Auch die Weiterentwicklung von Führungskompetenzen und Persönlichkeit wurde als wichtiger Bestandteil erfolgreicher Unternehmensentwicklung benannt.
Die vierte Perspektive richtete sich auf die Zusammenarbeit innerhalb des Ökosystems. Hier ging es vor allem darum, stärker darüber zu sprechen, welche Aufgaben Akteur*innen nicht (oder nicht alleine) übernehmen wollen oder müssen. Veranstaltungen und Termine innerhalb des Startup-Ökosystems könnten stärker fokussiert und gebündelt werden. Das Bilden von Allianzen und das Teilen von Netzwerken könnten dazu beitragen, dass sich die einzelnen Akteur*innen stärker auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren können.
Vernetzung als Schlüssel zum Wachstum
Nach der Gruppenarbeit ging der Austausch mit einem offenen Netzwerken bei leckerem Essen und Getränken weiter. Das Meet up & GROW!-Netzwerktreffen hat damit vor allem eines gezeigt: Ein starkes Startup-Ökosystem entsteht nicht allein durch die Summe einzelner Angebote. Entscheidend ist, wie gut diese miteinander verbunden sind. GROW! setzt genau an diesem Punkt an und schafft Räume für Austausch, Wissenstransfer und konkrete Zusammenarbeit. Denn wenn Startups wachsen sollen, braucht es nicht nur gute Ideen und ambitionierte Gründer*innen – sondern ein Umfeld, das Wachstum mitdenkt, ermöglicht und gemeinsam gestaltet.
Dieses Projekt wird im Rahmen der Innovationsförderung Hessen in der Maßnahme „Projekte zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Gründungsmotivation“ durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum gefördert.
Zusammenfassung in einfacher Sprache:
Am 3. September haben sich Gründende und Menschen aus ihrem beruflichen Umfeld im Science Park getroffen. Es gab einen Vortrag von Florian Christ (fino group) der ein erfolgreicher und bekannter Gründer ist. Die Teilnehmenden stellten ihm viele Fragen zu seinem Werdegang. Weitere Austauschformate wurden moderiert und Wünsche an die Zusammenarbeit im beruflichen Netzwerk der Gründenden konnten angesprochen werden. Im Anschluss gab es noch lockere Gespräche bei Essen und Getränken.