mit der SDG+ Challenge Lösungsansätze für mehr Nachhaltigkeit in Stadt und Land gestalten
von Dr. York Kautt, Programmleitung SDG+ Challenge & Akzelerator
Mit dem SDG+ Lab entwickelt UniKassel-Transfer ein Labor für Nachhaltigkeitsfragen, mit dem Wissenschaft, Politik,
Wirtschaft und Zivilgesellschaft in den Austausch kommen. Entlang der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDG) werden gemeinsam praktische Lösungen und Innovationen für die Region Nordhessen gestaltet. Die Challenge ist eines der Programme des SDG+ Lab, das bis 2027 durch die Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ gefördert wird.
Dr. York Kautt leitet im Rahmen des SDG+ Lab die Programme "SDG+ Challenge" und "Transfer Akzelerator" Dr. York Kautt ist Koordinator für Kooperation und Wissenstransfer am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er hat im Fach Soziologie habilitiert und promoviert. Sein Studium des Visuellen Kommunikationsdesigns absolvierte
er an der Universität Essen / Folkwang. Seit 2015 engagiert er sich im Vorstand des Kasseler Kunstvereins. Zudem ist er Vorsitzender des Vereins Haus der Nachhaltigkeit in Gießen, einer Plattform für nachhaltige Entwicklung, die Initiativen vernetzt und als Ort der Begegnung dient.
Ein Haus für Demokratie, sportliche Aktivitäten in der Innenstadt oder neue Nutzungsmöglichkeiten für Kirchenräume: Insgesamt acht Teams entwickeln bei der SDG+ Challenge Lösungsansätze für eine nachhaltigere Zukunft in Stadt und Land. Das Besondere: Im Rahmen offener Beteiligungsformate („open social innovation“) entstehen multidisziplinäre Teams – Perspektiven und Kompetenzen ergänzen sich und neue Wege werden gemeinsam beschritten! Miteinander reden statt übereinander reden ist das Motto im SDG+ Lab – eine Haltung, die aktuell wichtiger ist denn je.
Die aktuelle Challenge
Seit November 2024 arbeiten acht Teams an spannenden Fragestellungen im Rahmen des zweiten Themenjahres des SDG+ Labs „Zukunftsorte! Wie wir Stadt und Land nachhaltiger machen – und voneinander lernen“
SecondLife
Wie wäre es, wenn gutes Design bereits entsorgte Gebrauchsgüter wieder in die Nutzung bringt und diese Praxis populärer macht als bisher? Studierende der Kunsthochschule, Bürgerinnen und Bürger und Angestellte der Stadtreiniger haben sich dieser Challenge angenommen und erarbeiten in Workshops neue Möbelstücke, in denen Alt und Neu kombiniert wird, um z.B. Drehstuhlgestellen mit innovativem Design ein zweites Leben zu schenken.
Kassel.Aktiv
Wie können wir mehr Bewegungs- und Sportarten in die Kasseler Innenstadt bringen, um das Sicherheitsempfinden der Menschen vor Ort ebenso zu erhöhen wie die Attraktivität der City? Ein innovatives Team für ein lebendiges Kassel: Die städtebauliche Kriminalprävention des Polizeipräsidiums Kassel, die Universität Kassel, verschiedene Ämter der Stadt (Planungsamt, Gesundheitsamt, Sportamt, Jugendamt, City-Management), KolorCubes e.V. und andere stricken an Konzepten und Umsetzungen.
Gemeinschaftlich Wohnen
Wie kann gemeinschaftliches Wohnen niederschwelliger und attraktiver gestaltet werden für Interessentinnen und Interessenten dieser Wohnform? Fachkräfte für Architektur, Bürgerinnen und Bürger, Verwaltungsangestellte und Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler der Universität Kassel widmen sich dieser Frage. Erste Schritte sind unternommen, um Gelingensbedingungen besser zu verstehen, bewährte Praktiken zusammenzustellen und Strukturen für erfolgreiche Umsetzungen in Kassel herzustellen und zu verstetigen.
Morschen innovativ gestalten
Was passiert, wenn ein Bürgermeister, Bürgerinnen und Bürger sowie Lehrende und Studierende der Universität Kassel gemeinsam einen Planungsprozess initiieren, in dem über nachhaltige, finanzierbare und attraktive Möglichkeiten der Wohnraumerschließung nachgedacht wird? Lassen sich durch eine solche Team-Arbeit gerade in der Frühphase Fehler vermeiden und kluge Alternativen zum Üblichen realisieren? Die Kommune Morschen hat sich in diesem Sinne mit der Challenge auf den Weg gemacht.
Dies sind aber nur einige Ideen, die im Rahmen der SDG+ Challenge entstanden sind.
Weitere Teams sind:
Haus der Demokratie Gieselwerder
Orte für Demokratie gemeinsam gestalten und dauerhaft etablieren
Fluss-Natur Kassel
Wie lassen sich die Naherholungsqualität und die Artenvielfalt der Fulda gleichermaßen erhöhen?
Radwege fördern
Mit neuen Kooperationen die Radwegeinfrastruktur im Landkreis verbessern!
Kirchenräume als Möglichkeitsräume
Im Zusammenwirken verschiedener Gruppen neue Potentiale für Leerstand erschließen!
Transfer, Lernen und Vernetzung
Schon die bisherigen Entwicklungen in den Challenge-Teams zeigen deutlich, dass der Prozess ein Gewinn für alle Beteiligten ist. Menschen unterschiedlicher Sektoren, Milieus und Gruppen begegnen sich auf Augenhöhe, tauschen Wissen und Praxiserfahrungen aus und lernen voneinander. Dabei ist die Challenge in der Wahrnehmung der Teilnehmenden selbst ein Erfolg. Wiederholt ist zu hören, dass man sich ohne die Challenge nicht getroffen und entsprechend die Umsetzungen nicht hätte entwickeln können. Schon jetzt lässt sich also sagen, dass die Challenge das seit vielen Jahren an der Universität Kassel breit aufgestellte Angebot des Service Learnings um ein weiteres Format bereichert. Apropos Transfer und Service-Learning: In einem für alle Teammitglieder offenen Begleitseminar profitieren Mitmachende von einem professionellen Projekt-Coaching. Dies können Engagierte ab dem 21. April 2025 wahrnehmen.
Innovative Initiativen verstetigen – der Akzelerator
Ein wesentliches Ziel ist die Verstetigung der im Projekt entstehenden Initiativen in den verschiedenen Modulen des SDG+ Labs (Experimentale, Dialog, Challenge). Im Rahmen des Programmbereichs „Akzelerator“ werden hierfür verschiedene Unterstützungen angeboten, um einzelnen Projekten Verstetigungsperspektiven zu eröffnen. Hierzu kann die Bildung von Rechtsformen (z.B. Verein, Genossenschaft, (Sozial-)Unternehmen) ebenso gehören wie die Erschließung von Finanzierungsmodellen. Die Zusammenarbeit verschiedener Akteurinnen und Akteure ist auch hier ein wichtiges Prinzip: Bestehende Strukturen an der Universität Kassel werden genutzt und Kooperationen mit Netzwerken des gemeinwohlorientierten Wirtschaftens entwickelt.
Mitmachen!
Ab dem 24. April stellen die Teams ihre Projekte im UNI:Lokal (Wilhelmsstraße 21) in der Kasseler Innenstadt aus. Gäste haben dann nicht nur die Möglichkeit mehr über die entwickelten Lösungsansätze zu erfahren, sondern können sich auch anschließen und die Teams bei der Umsetzung unterstützen. Beim öffentlichen Finale der SDG+ Challenge am 04. Juli stellen die Gruppen ihre Ideen vor und erhalten ein Feedback für die weitere Umsetzung.
Wer Lust bekommen hat, Lösungsansätze für eine nachhaltigere Region zu entwickeln und konkrete Herausforderungen im Team zu bearbeiten, ist herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. Die nächste Runde der SDG+ Challenge steht schon bevor. Ab Sommer 2025 wird es einen Aufruf zum Themenjahr 2025/26 „Transformation in Arbeit und Wirtschaften“ geben und der dritte Durchlauf der SDG+ Challenge startet dann ab Herbst 2025.
Mehr Informationen: sdgpluslab.de